Gegen Vorurteile gegenüber Homosexuellen


„Du bist so schwul“, der Großteil von uns wurde schon einmal auf diese Weise „beleidigt“. Aber wieso ist dieses Wort in der heutigen, vermeintlich so aufgeklärten und toleranten, Zeit so negativ behaftet? Wieso denken so viele Menschen, sie hätten das Recht, andere Menschen aufgrund ihrer Sexualität zu diskriminieren?

„Schwule Männer sind automatisch pädophil oder zu sensibel, lesbische Frauen sind männerfeindlich oder „Mannsweiber“. Gleichgeschlechtliche Ehepaare sind nicht in der Lage ein Kind großzuziehen.“ Alles Vorurteile, auf die wir durch unser P-Seminar aufmerksam machen wollen! Um zu verdeutlichen, wie sich solche Vorurteile für Betroffene anfühlen, war es uns wichtig, im engen Austausch mit diesen, ihre persönlichen Geschichten zu erfahren. Mit unserem kurzen Video wollten wir diese mit möglichst vielen Menschen teilen. In erster Linie, weil genau solche Aussagen, auch wenn sie vielleicht gar nicht böse gemeint sind, Menschen nicht nur verletzen, sondern sie auch davon abhalten, sie selbst zu sein.

Weil wir nicht jeden Erfahrungsbericht in unserem Kurzfilm aufgreifen konnten, haben wir hier noch einen weiteren beigefügt, der uns auf besondere Weise berührt hat. Diskriminierung findet nämlich nicht nur in der Gesellschaft allgemein, sondern sogar in der eigenen Familie statt. Unser Ziel ist es, zum Nachdenken anzuregen, über das Thema im Allgemeinen, aber auch über den eigenen Umgang mit den Menschen um uns herum. Nur so können wir dieses gesellschaftliche Problem bekämpfen!

Es gibt immer mal wieder Momente, in denen man sich angegriffen fühlt. Man hört immer wieder aussagen wie „Man sieht der schwul aus“ oder „So ein Mannsweib“ und ich glaube, das verunsichert oder verletzt. Man fühlt sich angegriffen und hat Angst, sich zu entfalten oder man selbst zu sein. Natürlich habe ich auch schon solche Dinge gehört und das belastet einen dann schon ziemlich.
Durch solche Aussagen, oder auch durch irgendwelche politischen Äußerungen hat man dann irgendwie Angst davor, man selbst zu sein und will das nicht mehr.
Besonders schlimm ist all das, wenn man sich noch nicht überall geoutet hat und das Gefühl hat, sich verstecken zu müssen. Dann machen die Menschen um einen herum solche Äußerungen oder „Witze“ und wissen nicht, dass sie einen damit verletzen oder erniedrigen.

Jetzt aber zu dem was mich am meisten belastet.
Wie mein Vater es sagen würde „Deine Mutter und der Rest der Familie sind zu konservativ und altertümlich um das was jetzt wichtig ist zu verstehen“.
Ich selbst habe mich noch nicht bei ihm geoutet, auch wenn ich das Gefühl habe, er weiß es auf eine gewisse Weise schon. Ich habe gemerkt, dass ich so bin, als ich 14 oder 15 war. Natürlich war man um diese Zeit das erste mal richtig verliebt. Irgendwann hab ich dann meine erste Freundin kennengelernt und da war natürlich alles ziemlich kompliziert, da eigentlich so gut wie niemand wusste was da bei uns war, oder dass ich auf Frauen stehe.
Irgendwann habe ich es dann ein paar meiner Freunde erzählt und niemand hat schlecht darauf reagiert. Wir waren dann ein paar Monate zusammen und irgendwann konnte ich es dann nicht mehr aushalten. Man muss sich ständig verstecken und kann nicht so auftreten wie man es sich eigentlich wünscht.
Nach circa einem halben Jahr hab ich es dann per Brief meiner Mutter erzählt, einfach weil ich nicht mit ihr reden konnte. Ich hatte immer gehofft und gedacht, dass sie mich unterstützen wird und mir hilft.
Im Endeffekt war alles dann anders. Sie war plötzlich komisch zu mir und wenn ich zu meiner Freundin wollte, hat sie manchmal einfach nein gesagt. Irgendwann fing dann die Angst bei mir an. Ich hab mich nicht mal mehr getraut, meine Mutter zu fragen. Schwer zu sagen, ob ich dadurch in dieses Loch gefallen bin, aber ich hab mich immer mehr depressiv gefühlt und wollte nicht mehr so sein. Darunter hat dann oft auch die Beziehung gelitten und das tat mir dann auch ziemlich leid für meine Freundin... das ging dann auch so weiter. Ich habe mich immer mehr abgestoßen gefühlt, bis es dann den Höhepunkt erreicht hat. Wir hatten damals ein Bild, das uns beide beim küssen zeigt und es war zumindest mein Lieblingsbild. Und was man liebt trägt man bei sich. Ich hab es in meine Handyhülle gelegt und irgendwann hat es meine Mutter dort entdeckt. Sie wollte, dass ich es sofort entferne und sie meinte, sie wolle nicht, dass es irgendwer sieht.
Später kam sie dann in mein Zimmer und meinte zu mir sie könne „so etwas“ nicht akzeptieren und unterstützen. Das bricht einem das Herz und ab diesem Zeitpunkt war ich dann glaub ich sogar an dem Punkt, dass ich nicht mehr hier sein wollte... falls du verstehst was ich meine... ich war von dort an einfach nicht mehr ich selbst und hatte auch keine Motivation mehr. Natürlich war meine Freundin zu dieser Zeit alles, was mich noch so wirklich gehalten hat.
Meine Mutter war dann auch immer ziemlich kontrollierend und wollte immer wissen, mit wem ich wohin gehe. Nicht, dass ich noch meine Freundin sehe. Der einzige familiäre halt, den ich zu der Zeit hatte, war meine Schwester, die mich auch unterstützt hat.
Aber selbst nach der Trennung, ist es noch nicht weg. Ich habe immer noch diese Angst vor ihr. Immer, wenn ich irgendwohin gehe, fragt sie noch zu wem und wer dabei ist... da muss man manchmal eben lügen, aber lieber lüge ich, damit ich ich selbst sein kann.
Ich hab mich in ihren Augen immer anders gefühlt. Meine Schwester hat dann auch ihren Freund kennengelernt und man hat sofort gefühlt das diese Beziehung anders behandelt wird, vielleicht weil meine Schwester älter ist oder einfach weil es in ihrem Augen „normal“ war, nicht wie bei mir. Er war an meinem Geburtstag da aber als ich wollte, dass meine Freundin kommt, musste meine Mutter sich das „erst noch überlegen“. Bei familiären Angelegenheiten, war er immer eingeplant und wurde sofort gefragt, an meine Freundin wurde nicht mal gedacht und ich wusste, dass man sie einfach nicht da haben wollte. Irgendwann hatte selbst meine Freundin Angst vor meiner Mutter und sie wollte nicht mehr zu mir kommen. Das bricht einem natürlich das Herz. Irgendwann konnte ich so dann nicht mehr weitermachen und dadurch kam dann die Trennung... das ist meiner Mutter nicht einmal aufgefallen, selbst als ich nächtelang geweint hatte. Ich habe sie dann angeschrien und meinte, sie interessiere sich nicht für mich, weshalb sollte ich dann überhaupt mit ihr reden...
Ich hoffe für viele, dass sie akzeptiert werden und niemand soetwas erleben muss.

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