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Wir in Kairo


„Soldaten, seid euch bewusst, dass von diesen Pyramiden vierzig Jahrhunderte auf euch herab blicken!“

Gemäß diesem Zitat war 1798 Napoleon von der Erscheinung der großen Pyramiden in Gizeh stark ergriffen.

Auch eine kleine Gruppe von Schülern vom Franz-Ludwig-von-Erthal-Gymnasium in Lohr stand - 219 Jahre nach Napoleon - mit großen Augen vor dem einzigen erhaltenen antiken Weltwunder. Erst wenn man davor steht, erkennt man die Mächtigkeit und ist von der imposanten Ingenieurskunst der alten Ägypter beeindruckt.

Aber nicht nur die berühmten Pyramiden zogen die Gruppe beim einwöchigen Besuch in Kairo in ihren Bann.

Zum ersten Mal kam es innerhalb des seit einigen Jahren praktizierten Schüleraustausches des Lohrer Gymnasiums mit der Deutschen Evangelischen Oberschule (DEO) in Kairo zu einem Gegenbesuch.

In ägyptischen Gastfamilien - über ganz Kairo verteilt - untergebracht trafen sich die zwölf bis 17 Jahre alten Schüler an Schultagen um 7:15 Uhr zur gemeinsamen Versammlung in der Schule und zum Singen der ägyptischen Nationalhymne (Biladi).

Neben den Schulbesuchen standen viele Unternehmungen an, die für die Truppe ein Feuerwerk der Sinne waren.

Für die jungen deutschen Ohren und Nasen war gleich der Eindruck des Straßenverkehrs in dieser 9,5 Millionenmetropole eine neue Erfahrung. Auch wenn nur drei Spuren eingezeichnet sind wird dort zu fünft nebeneinander gefahren. Die Kommunikation untereinander funktioniert in der Regel per Hupsignalen und jeder nimmt in den vielen Staus Rücksicht auf den anderen. Dies stellt man auch in Bereichen fest, in denen viele Menschen zusammen kommen wie z. B. auf dem Basar. Von sehr westlich orientierten Menschen über vollverschleierten Frauen bis zu sehr ärmlich lebenden Personen gab es von der Bevölkerungsvielfalt viel zu sehen.

Auch die Geschmacksnerven bekamen durch das Probieren der örtlichen Speisen neue und wohlschmeckende Sinneseindrücke. Die „Rache des Pharao“ suchte glücklicherweise keinen Schüler heim.

Aber nicht nur die großen Pyramiden waren einen Besuch wert. Auf dem großen Basar Khan-el-Khalili konnten neben dem Verkauf von Souvenirs auch traditionelle handwerkliche Fertigkeiten und deren Produkte bewundert werden. Frisch sanierte Moscheen und kleine Paläste gaben einen guten Einblick in die Geschichte Kairos.

Am dritten Besuchstag war ein Kontrastprogramm geplant. Mit dem Schulbus wurde die Gruppe vom recht feudalen Teil Kairos zu einer koptischen Felsenkirche auf dem Muqqatam gefahren. Auf dem Weg dahin muss das Müllviertel Kairos durchquert werden, in dem die Bevölkerung (meist Christen) den gesammelten Müll sortiert und für die Weiterverarbeitung bereithält. Es gab viel zu sehen und zu riechen. Die auf einem kleinen Felsplateau gelegene Kirche ist per Hand in den Felsen gegraben worden und kann bis zu 20.000 Menschen fassen. Die spontane Führung des Verwalters bot einen guten Eindruck in das Denken und Leben der Kopten.

Auf dem Rückweg lag die Zitadelle (Festung) mit der Mohammed-Ali-Moschee. Dieses imposante Gelände mit der riesigen Moschee befindet sich auf einer kleinen Anhöhe mit einem guten Ausblick über Kairo. Obwohl das Wetter nicht ideal war, konnte man in der Ferne die großen Pyramiden sehen. Beindruckend war auch die beachtliche Anzahl an Minaretten.

Nach dem Wochenende in den Familien und dem Besuch des Schulfestes wartete noch ein Highlight auf die jungen Menschen: eine Wüstentour mit Übernachtung unter freiem Himmel. Mit Geländewägen transportiert besuchten die Lohrer Schüler nördlich der Niloase Fayuum einen kleinen ägyptischen Tempel und eine verfallene römische Siedlung mit Festung. Nach dem gemeinsamen Essen in der kleinen Hütte des Wächters wurde ein Gebiet angesteuert, in dem man versteinerte Bäume und Wale besichtigen konnte. Das inmitten von Sanddünen errichtete Nachtlager ermöglichte der Truppe einen guten Schlaf, um die vielen Eindrücke des Tages zu verarbeiten. Am nächsten Tag und mit viel feinem Sand in der Kleidung und in den Haaren ging es wieder zurück in die Gastfamilien.

Leider verflog die Zeit so schnell, dass nach der herzlichen Verabschiedung der Heimflug wieder anstand.

Die zum Zeitpunkt des Austausches verübten Attentate in Alexandria und Tanta wurden kurz thematisiert. Man hatte in Kairo nie das Gefühl, in Gefahr zu sein. Die offene und gastfreundliche Art der Ägypter trug dazu maßgeblich bei.

 

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Entstanden ist der seit Jahren bestehende Schüleraustausch durch den Kontakt von Thomas Keßelring. Er war vor seiner Tätigkeit in Lohr zwei Jahre mit seiner Frau als Lehrer an der Deutschen Evangelischen Oberschule in Kairo. Daher existiert der Kontakt zu Ägypten. Seit einigen Jahren organisiert ein Kollege in Kairo die so genannte „Begegnung“. Auf der einen Seite ist die Schule in Kairo eine offizielle Begegnungsstätte zwischen den Kulturen (ca. 90% der Schüler sind Ägypter, der Rest deutsche Schüler) und auf der anderen Seite ist es für die ägyptischen Schüler wichtig, die deutsche Sprache und die deutsche Kultur kennen zu lernen. Die Schule sieht sich selber als eine Vorzeigeschule unter den deutschen Auslandsschulen. Sie genießt in Kairo einen besonderen Ruf. Die Schule umfasst einen Kindergarten, eine Grundschule und eine weiterführende Schule, an der man die mittlere Reife, das Abitur und oder den ägyptischen Abschluss erhält.

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