Preisverleihung Bundeswettbewerb Mathematik


Mathematik ist keine weltfremde Wissenschaft. Mit diesen Worten begrüßte Dr. Nora Gürtler, Chief Risk Officer bei Generali Deutschland, die diesjährigen 14 Bundessieger und eine Bundessiegerin des Bundeswettbewerbs Mathematik 2014 am Donnerstag in Köln. Als Vertreterin der Generali Deutschland Holding AG, die die Preisverleihung des Wettbewerbs jährlich in ihren Räumlichkeiten ausrichtet, gratulierte sie den 15 siegreichen Teilnehmern. Die promivierte Mathematikerin erzählte aus eigener Erfahrung, wie sie selbst immer wieder die Lebensnähe der Mathematik vor Augen geführt bekommt und machte dabei sogleich Werbung für das Versicherungsgeschäft. Die Produkte der Generali basierten auf mathematischen Modellen, weshalb Mathematik das Kerngeschäft einer jeden Versicherung sei und man sie sich auch am Bundeswettbewerb beteilige. Ohne die Mathematik könnten wir die Welt einfach nicht erklären, resümierte Gürtler. Deshalb verstehe sie auch, warum die Bundessieger am liebsten schwierigste mathematische Aufgaben lösen.

Im Anschluss daran folgte eine Gesprächsrunde über Mathematik, Begabung und den Bundeswettbewerb selbst, an der neben Gürtler auch Sylvia Löhrmann, nordrhein-westfälische Ministerin für Schule und Weiterbildung, PD Dr. Elke Völmicke, Geschäftsführerin Bildung & Begabung, und Prof. Dr. Andreas Schlüter, Generalsekretär des Stifterverbands für die Deutsche Wissenschaft, teilnahmen. Dabei diskutierten sie über den Fehlbedarf in den sogenannten MINT-Fächern und über die steigende, aber immer noch sehr geringe weibliche Beteiligung am Wettbewerb. Zum Schluss gaben sie ihre Wünsche für die Zukunft an die Preisträger weiter. Gürtler forderte die Nachwuchsmathematiker auf, immer weiter zu machen, denn wenn etwas Spaß mache, so sei man meist auch gut darin. Ähnlich sah es Schulte, der sich einerseits dafür aussprach, dass die siegreichen Teilnehmer weiter so arbeiten sollten, andererseits aber die Hoffnung äußerte, dass sie Freude daran entwickeln könnten, die Mathematik auf anderen Gebieten, wie etwa Biologie oder Medizin, anzuwenden. Auch Löhrmann war der Meinung, dass man seine Stärken stärken sollte, gleichzeitig aber auch das vorhandene Potenzial in seiner ganzen Bandbreite ausschöpfen müsse. Dabei helfe es, wenn die Bundessieger neugierig bleiben, wie sich dasVölmicke wünschte. Jan-Martin Wiarda, Pressesprecher der Helmholtz-Gemeinschaft und Moderator der Preisverleihung fasste deshalb zusammen, dass die angehenden Mathematiker fokussiert bleiben sollten, aber nicht vergessen dürften, gleichzeitig nach links und rechts zu schauen. Bevor es zum eigentlichen Teil der Veranstaltung, der Verleihung der Bundessieger-Urkunden, überging, hielt Prof. Dr. Christian Hesse von der Universität Stuttgart einen Vortrag zum Thema „Mathematik und Schach“, seinen beiden großen Leidenschaften. Der bei seiner Ernennung jüngste Professor Deutschlands, der in Harvard promovierte und in Berkeley lehrte, erklärte mit kurzen Beispielen, wie man Schachprobleme anhand von mathematischen Denkwerkzeugen und Mathematikprobleme mithilfe von Schachprinzipien lösen kann. So verdeutlichte er anhand des Konzepts der Parität, dass man ohne weitere Angaben allein von der Stellung der Schachfiguren auf dem Schachbrett schlussfolgern kann, welcher Spieler als nächstes am Zug ist. Als weiteres Beispiel berechnete er die Wahrscheinlichkeit dafür, dass beim gleichzeitigen Umdrehen je einer Karte von zwei Kartenstapeln zwei identische Karten erscheinen. Diese sogenannte Fixpunkt-Konstellation erscheint intuitiv als sehr seltenes Ereignis, mathematisch gesehen liegt die Wahrscheinlichkeit jedoch bei circa 63%. Dass solche Irrtümer Einflüsse auf die Weltgeschichte haben können, erläuterte Hesse am Beispiel der Enigma. Die Wehrmacht dachte, dass die Maschine 200 Trilliarden Verschlüsselungsmöglichkeiten hätte und damit unknackbar sei. Der britische Mathematiker Alan Turing erkannte jedoch, dass die Enigma keine Fixpunkte aufwies, also aufgrund der Konstruktion niemals einen Buchstaben als denselben Buchstaben verschlüsseln würde. Dadurch fielen zwei Drittel der Verschlüsselungsmöglichkeiten weg. Die daraufhin entwickelte Turing-Bombe, die den sich täglich ändernden Enigma-Code entschlüsselte, war laut dem späteren US-Präsidenten Dwight D. Eisenhower entscheidend für den Sieg der Alliierten. Mathematik entscheidet, gab Hesse daher den Preisträgern als Fazitmit auf den Weg. Bevor die Bundessieger endlich ihre Urkunden in Empfang nehmen konnten, berichtete Prof. Dr. GernothStroth, Vorsitzender des Beirats für den Bundeswettbewerb Mathematik, noch über den Bundeswettbewerb 2014 und hob die Bedeutung eines Bundessieges hervor, der aus zwei Ebenen besteht. Einerseits werden die Bundessieger als Stipendiaten der Studienstiftung des Deutschen Volkes aufgenommen und erhalten so neben einer finanziellen Förderung auch die Möglichkeit an Sommerakademien, Sprachkursen und ähnlichem teilzunehmen. Andererseits stellt der Bundessieg ein großes Erfolgserlebnis dar. Die Preisträger haben in zwei Runden jeweils vier Aufgaben richtig gelöst und niedergeschrieben und zudem im Kolloquium der dritten Runde im Gespräch mit gestandenen Mathematikern überzeugt und bestanden. Auf diese hervorragende Leistung, so Stroth, dürfen die Bundessieger sehr stolz sein. Schließlich überreichte er den Bundessiegern ihre Urkunden.

Fabian Burghart (Königsbronn, Baden-Württemberg), Branko Juran (Berlin), Meike Neuwohner (Jülich, Nordrhein-Westfalen), Matthias Paulsen (Miesbach, Bayern), Stefan Rabenstein (Erlangen, Bayern), Felix Schremmer (Jena, Thüringen) und Nicholas Schwab (Lohr am Main, Bayern) sicherten sich erstmals die Deutsche Mathe-Meisterschaft. Acht Schüler konnten ihren Titel aus dem Vorjahr erfolgreich verteidigen: Max Aehle (Affalterbach, Baden-Württemberg), Linus Behn (Bonn, Nordrhein-Westfalen), Adrian Riekert (Pinneberg, Schleswig-Holstein) und Jan Steinebrunner (Todtnau, Baden-Württemberg) holten jeweils ihren zweiten Bundessieg. Leo Gitin (Leipzig, Sachsen), Tobias Kreutz (Essen, Nordrhein-Westfalen), Jörn Stöhler (Augsburg, Bayern) und Ferdinand Wagner (Leipzig, Sachsen) waren bereits zum dritten Mal erfolgreich.

Nach der Preisverleihung gab es noch eine Gesprächsrunde mit den vier dreimaligen Bundessiegern. Alle waren sich einig darüber, dass sie die Aufgaben von Teilnahme zu Teilnahme leichter lösen können, weil sie mittlerweile einen Blick für die Aufgaben entwickelt hätten. Auch Im Bereich der Zukunftsplanung befinden sich alle auf dem gleichen Weg. Denn sie studieren bereits Mathematik oder planen zumindest, dies zu tun. Dass alle vier wirklich kluge Köpfe sind, zeigte sich in der Diskussion. Es sei schade, fand Gitin, dass es gesellschaftlich akzeptiert sei, schlecht in Mathe zu sein, aber niemand sich damit rühmen würde, schlecht schreiben zu können. Wagner erklärte, dass es ihn störe, als Rechenkopf oder Rechenmeister bezeichnet zu werden, denn das träfe nicht den Kern der Sache. Rechnen sei etwas, was man in der Schule mache, nämlich die Lösung eines konkreten Problems. Beim Bundeswettbewerb Mathematik hingegen, und später an der Universität beschäftige man sich aber mit einem abstrakten Problem. Entscheidend dabei sei, dass man einen überzeugenden Beweis zur Lösung des Problems finde und nicht das richtige Ergebnis rate. Dem konnte auch Kreutz nur zustimmen. In der Schule fordere Mathematik keine eigene Leistung oder Kreativität, sondern nur die Wiedergabe eines erlernten Algorithmus, um banale Dinge, wie die Entwicklung einer Schweinepopulation zu berechnen. Deshalb, so Wagner, sei es in der Schule auch wichtiger, dass der Mathe-Lehrer den Stoff verständlich rüberbringen könne. Dazu müsse er aber nicht unbedingt der fachlich bestqualifizierteste Mathematiker sein. Dr. Christian Blohmann vom Max-Planck-Institut für Mathematik in Bonn überreichte anschließend den Sonderpreis für erstmalige Bundessieger, eine vierwöchige Hospitanz am Institut, und zeigte sich begeistert von den Bundessiegern. An den Aussagen könne man erkennen, dass die Bundessieger bereits echte Mathematiker seien. Deshalb sei der Sonderpreis auch die einzige Ausnahme von der Regel, dass bereits substantielle Forschungsleistung erbracht sein muss, um am Max-Planck-Institut hospitieren zu dürfen. Denn das Lösen von Mathematikproblemen setzt voraus, dass man sie mit Gleichgesinnten bespricht, und dies wolle das Institut den Siegern ermöglichen. Musikalisch untermalt wurde die Veranstaltung vom Jazz-Trio Thomas Heck und Band.

 

 

Lohrer Mathe-Asse wieder auf Medaillen-Jagd


Am vergangenen Wochenende fand an der Universität Würzburg die 54. Mathematikolympiade Bayern (MOBy) statt. Unter den 174 Schülern der Jahrgangsstufen 7 bis 12 befanden sich auch die beiden Lohrer Gymnasiasten, Nicolas Scherzer und Nicholas Schwab. Für beide war es die vierte erfolgreiche Teilnahme. Bereits am Freitagnachmittag wurden von den bayerischen Nachwuchsmathematikern eine vierstündige Klausur geschrieben, die zweite Klausur folgte dann am Samstagvormittag. Etwa 50 Mathematiker, Mathematik-Lehrer, Studenten und Mitarbeiter der Universität hatten danach das Vergnügen, die von den Schülern gelösten Aufgaben aus den Bereichen Algebra, Geometrie und Kombinatorik zu korrigieren. Währenddessen durften die Teilnehmer an einem vielfältigen Rahmenprogramm teilnehmen. So konnten die jungen Mathe-Cracks beispielsweise ihre Kreativität bei einem Foto-Shooting mit dem MOBy-Maskottchen unter Beweis stellen.

Am Samstagabend standen dann endlich die Preisträger fest.Bereits zum vierten Mal in Folge holte Nicholas Schwab eine Goldmedaille bei der bayerischen Mathematikolympiade (MOBy).

Nicolas Scherzer war nach einem zweiten Platz im vergangenen Jahr diesmal leider nicht erfolgreich.
Die Klausurbesten, zu denen Nicholas Schwab zählt, werden wie jedes Jahr zu einem viertägigen Trainingslager im März nach Pleinfeld eingeladen. Dort wird dann der 14-köpfige bayerische Kader für die Deutsche Mathematik-Olympiade im Juni in Cottbus ausgewählt. Nach einer Goldmedaille (2012) und zwei Silbermedaillen (2013, 2014)will Nicholas Schwab in Cottbus wieder auf Edelmetall-Jagd gehen.

 

 

Deutscher Mathe-Meister kommt aus Lohr


Die Meisterschaft ist bereits Anfang Februar entschieden – jedenfalls in der Mathematik, denn seit Donnerstag stehen Deutschlands 15 Mathe-Meister fest. Einer der 15 Bundessieger des Bundeswettbewerbs Mathematik 2014 ist der Lohrer Gymnasiast Nicholas Schwab.

Schon im Dezember 2013 hatte der dreistufige Wettbewerb mit der 1. Runde begonnen, an der 1.222 Schüler aus ganz Deutschland teilnahmen. In Gruppenarbeit mit Nicolas Scherzer hatte sich Nicholas Schwab mit einem 1. Platz für die 2. Runde des Wettbewerbs qualifiziert (wir berichteten). Auch die zweite Stufe des Wettbewerbs konnte Nicholas Schwab erfolgreich beenden. Als einziger Zehntklässler in Bayern erzielte er einen 1. Platz in der 2. Runde des Bundeswettbewerbs (wir berichteten).

Mit diesen beiden herausragenden Leistungen erreichte der Lohrer Schüler als einer von 47 Teilnehmern das Bundesfinale in Schmitten (Taunus). Am Montag und Dienstag dieser Woche mussten die Finalisten ihre mathematischen Fähigkeiten erneut in einem einstündigen Gespräch pro Teilnehmer beweisen. Vor Mathematik-Profis aus Schule und Hochschule mussten sie in einem Kolloquium allerhand mathematische Probleme lösen. Jene Nachwuchsmathematiker, die sich dabei als überzeugendsten Problemlöser darstellten, wurden von der Fach-Jury als Bundessieger gekürt. "Die Bundessieger haben eindrucksvoll bewiesen, dass sie über vielfältige mathematische Fähigkeiten und die nötige Kreativität verfügen" sagt Hanns-Heinrich Langmann, Leiter des Bundeswettbewerbs Mathematik. Nicholas Schwab spielteim Taunus seine Stärkenvoll aus und überzeugte mit seinen hervorragenden Kenntnissen. Man habe ihm angesehen, dass er selbst mit seiner Leistung hochzufrieden gewesen sei, war von einem der Betreuer zu erfahren.

Die feierliche Preisverleihung für alle Bundessieger findet am 23. April 2015 in Köln statt. Als erstmaliger Sieger wird Nicholas Schwab aufgrund seines Bundessieges in die Förderung der Studienstiftung des deutschen Volkes aufgenommen. Zusätzlich darf er in den Sommerferien am Max-Planck-Institut für Mathematik in Bonn mit nationalen und internationalen Spitzenmathematikern forschen.

Die Mathematik wird also beim Lohrer Gymnasiasten auch demnächst nicht zu kurz kommen, zumal die neue Ausgabe des Bundeswettbewerbs bereits begonnen hat. Bis zum 1. März 2015 können interessierte Schüler die Aufgaben des 1. Runde des Bundeswettbewerbs 2015 bearbeiten. Unter www.mathe-wettbewerbe.de/bwm finden sich die Aufgaben der 1. Runde.

 

 

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