Mathe-Genie macht Medaillensatz komplett


Sie sei doch nicht bei der Mathematik-Olympiade, bemerkte die Fußball-Nationalspielerin Tabea Kemme am Wochenende und lag damit genau richtig. Die deutsche Mathematikolympiade 2015 fand nämlich knapp 7000 km vom WM-Gastgeber Kanada entfernt in Cottbus statt. Zum vierten Mal in Folge befand sich unter den 197 Teilnehmern aus ganz Deutschland auch der Lohrer Gymnasiast Nicholas Schwab. Als Teil der vierzehnköpfigen bayerischen Mannschaft war er am Sonntag gen Cottbus aufgebrochen, um sich mit den besten Nachwuchsmathematikern aus allen Bundesländern zu messen. Am Montag und Dienstag mussten alle Teilnehmer ab 8:00 Uhr jeweils eine viereinhalbstündige Klausur à drei Aufgaben lösen. Als Kontrast zum Denksport am Morgen wurde an den Nachmittagen ein vielfältiges Rahmenprogramm veranstaltet. So nahmen beispielsweise alle Olympioniken an einer Kahnfahrt im Spreewald teil. Dienstagabend standen dann endlich die Medaillengewinner fest. Insgesamt 13 Gold-, 26 Silber- und 43 Bronzemedaillen wurden dieses Jahr vergeben. Nach Gold 2012 und Silber 2013 und 2015 macht Nicholas Schwab mit der diesjährigen Bronzemedaille seinen Medaillensatz komplett und trägt damit wie in den Jahren zuvor zum hervorragenden Ergebnis der bayerischen Mannschaft bei. Bereits zum vierten Mal in Folge gewinnt das Team des Freistaats die Länderwertung mit dreimal Gold, viermal Silber und dreimal Bronze. Unter den bayerischen Goldmedaillengewinnern befindet sich auch der Würzburger Zehntklässler Manfred Paul.

 

 

Drei erste Plätze beim Bundeswettbewerb Mathematik 2015


Drei Teilnehmer, drei erste Plätze– das Lohrer Franz-Ludwig-von-Erthal-Gymnasium darf sich ein weiteres Mal über seine erfolgreichen Mathematik-Talente freuen. Mit ihren hervorragenden Platzierungen bei der 1. Runde des Bundeswettbewerb Mathematik 2015 sind Alexander Esgen, Nicolas Scherzer und Nicholas Schwab drei von insgesamt 174 Siegernaus ganz Deutschland.

Der erste Platz ist für alle drei Nachwuchs-Mathematiker von besonderer Bedeutung. Für den Zehntklässler Alexander Esgen was es die erste Teilnahme am Bundeswettbewerb Mathematik, die er gleich erfolgreich mit einem ersten Preis krönte. Die beiden Elftklässler Nicolas Scherzer und Nicholas Schwab haben zwar bereits mehrfach mit großem Erfolg am Wettbewerb teilgenommen, doch dieses Mal hat der Sieg einen ganz speziellen Mehrwert. Sie profitieren von einer Sonderregelung für erfolgreiche Teilnahme an einem Bundeswettbewerb, die auch am Lohrer Gymnasium Anwendung findet. Da sie die Aufgaben für die erste Runde des Wettbewerbs bearbeitet haben, während sie die gymnasiale Oberstufe besuchen, können sie die Seminararbeit im Rahmen des W-Seminars durch die Wettbewerbsaufgaben ersetzen und sich das Schreiben einer Seminararbeit sparen.

Durch den ersten Platz haben sich Alexander, Nicolas und Nicholas automatisch für die zweite Runde des Bundeswettbewerbs qualifiziert. Bis September haben die drei Gymnasiasten nun Zeit, die dazugehörigen Aufgaben zu bearbeiten. Schneiden sie auch da mit dem gleichen Ergebnis wie in der erste Runde ab, nehmen Alexander Esgen und Nicolas Scherzer an der dritten Runde des Bundeswettbewerbs Mathematik teil. Nicholas Schwab hätte als amtierender Bundessieger das Privileg, bereits durch einen ersten Platz in der zweiten Runde des Wettbewerbsseinen Titel zu verteidigen.

 

 

Preisverleihung Bundeswettbewerb Mathematik


Mathematik ist keine weltfremde Wissenschaft. Mit diesen Worten begrüßte Dr. Nora Gürtler, Chief Risk Officer bei Generali Deutschland, die diesjährigen 14 Bundessieger und eine Bundessiegerin des Bundeswettbewerbs Mathematik 2014 am Donnerstag in Köln. Als Vertreterin der Generali Deutschland Holding AG, die die Preisverleihung des Wettbewerbs jährlich in ihren Räumlichkeiten ausrichtet, gratulierte sie den 15 siegreichen Teilnehmern. Die promivierte Mathematikerin erzählte aus eigener Erfahrung, wie sie selbst immer wieder die Lebensnähe der Mathematik vor Augen geführt bekommt und machte dabei sogleich Werbung für das Versicherungsgeschäft. Die Produkte der Generali basierten auf mathematischen Modellen, weshalb Mathematik das Kerngeschäft einer jeden Versicherung sei und man sie sich auch am Bundeswettbewerb beteilige. Ohne die Mathematik könnten wir die Welt einfach nicht erklären, resümierte Gürtler. Deshalb verstehe sie auch, warum die Bundessieger am liebsten schwierigste mathematische Aufgaben lösen.

Im Anschluss daran folgte eine Gesprächsrunde über Mathematik, Begabung und den Bundeswettbewerb selbst, an der neben Gürtler auch Sylvia Löhrmann, nordrhein-westfälische Ministerin für Schule und Weiterbildung, PD Dr. Elke Völmicke, Geschäftsführerin Bildung & Begabung, und Prof. Dr. Andreas Schlüter, Generalsekretär des Stifterverbands für die Deutsche Wissenschaft, teilnahmen. Dabei diskutierten sie über den Fehlbedarf in den sogenannten MINT-Fächern und über die steigende, aber immer noch sehr geringe weibliche Beteiligung am Wettbewerb. Zum Schluss gaben sie ihre Wünsche für die Zukunft an die Preisträger weiter. Gürtler forderte die Nachwuchsmathematiker auf, immer weiter zu machen, denn wenn etwas Spaß mache, so sei man meist auch gut darin. Ähnlich sah es Schulte, der sich einerseits dafür aussprach, dass die siegreichen Teilnehmer weiter so arbeiten sollten, andererseits aber die Hoffnung äußerte, dass sie Freude daran entwickeln könnten, die Mathematik auf anderen Gebieten, wie etwa Biologie oder Medizin, anzuwenden. Auch Löhrmann war der Meinung, dass man seine Stärken stärken sollte, gleichzeitig aber auch das vorhandene Potenzial in seiner ganzen Bandbreite ausschöpfen müsse. Dabei helfe es, wenn die Bundessieger neugierig bleiben, wie sich dasVölmicke wünschte. Jan-Martin Wiarda, Pressesprecher der Helmholtz-Gemeinschaft und Moderator der Preisverleihung fasste deshalb zusammen, dass die angehenden Mathematiker fokussiert bleiben sollten, aber nicht vergessen dürften, gleichzeitig nach links und rechts zu schauen. Bevor es zum eigentlichen Teil der Veranstaltung, der Verleihung der Bundessieger-Urkunden, überging, hielt Prof. Dr. Christian Hesse von der Universität Stuttgart einen Vortrag zum Thema „Mathematik und Schach“, seinen beiden großen Leidenschaften. Der bei seiner Ernennung jüngste Professor Deutschlands, der in Harvard promovierte und in Berkeley lehrte, erklärte mit kurzen Beispielen, wie man Schachprobleme anhand von mathematischen Denkwerkzeugen und Mathematikprobleme mithilfe von Schachprinzipien lösen kann. So verdeutlichte er anhand des Konzepts der Parität, dass man ohne weitere Angaben allein von der Stellung der Schachfiguren auf dem Schachbrett schlussfolgern kann, welcher Spieler als nächstes am Zug ist. Als weiteres Beispiel berechnete er die Wahrscheinlichkeit dafür, dass beim gleichzeitigen Umdrehen je einer Karte von zwei Kartenstapeln zwei identische Karten erscheinen. Diese sogenannte Fixpunkt-Konstellation erscheint intuitiv als sehr seltenes Ereignis, mathematisch gesehen liegt die Wahrscheinlichkeit jedoch bei circa 63%. Dass solche Irrtümer Einflüsse auf die Weltgeschichte haben können, erläuterte Hesse am Beispiel der Enigma. Die Wehrmacht dachte, dass die Maschine 200 Trilliarden Verschlüsselungsmöglichkeiten hätte und damit unknackbar sei. Der britische Mathematiker Alan Turing erkannte jedoch, dass die Enigma keine Fixpunkte aufwies, also aufgrund der Konstruktion niemals einen Buchstaben als denselben Buchstaben verschlüsseln würde. Dadurch fielen zwei Drittel der Verschlüsselungsmöglichkeiten weg. Die daraufhin entwickelte Turing-Bombe, die den sich täglich ändernden Enigma-Code entschlüsselte, war laut dem späteren US-Präsidenten Dwight D. Eisenhower entscheidend für den Sieg der Alliierten. Mathematik entscheidet, gab Hesse daher den Preisträgern als Fazitmit auf den Weg. Bevor die Bundessieger endlich ihre Urkunden in Empfang nehmen konnten, berichtete Prof. Dr. GernothStroth, Vorsitzender des Beirats für den Bundeswettbewerb Mathematik, noch über den Bundeswettbewerb 2014 und hob die Bedeutung eines Bundessieges hervor, der aus zwei Ebenen besteht. Einerseits werden die Bundessieger als Stipendiaten der Studienstiftung des Deutschen Volkes aufgenommen und erhalten so neben einer finanziellen Förderung auch die Möglichkeit an Sommerakademien, Sprachkursen und ähnlichem teilzunehmen. Andererseits stellt der Bundessieg ein großes Erfolgserlebnis dar. Die Preisträger haben in zwei Runden jeweils vier Aufgaben richtig gelöst und niedergeschrieben und zudem im Kolloquium der dritten Runde im Gespräch mit gestandenen Mathematikern überzeugt und bestanden. Auf diese hervorragende Leistung, so Stroth, dürfen die Bundessieger sehr stolz sein. Schließlich überreichte er den Bundessiegern ihre Urkunden.

Fabian Burghart (Königsbronn, Baden-Württemberg), Branko Juran (Berlin), Meike Neuwohner (Jülich, Nordrhein-Westfalen), Matthias Paulsen (Miesbach, Bayern), Stefan Rabenstein (Erlangen, Bayern), Felix Schremmer (Jena, Thüringen) und Nicholas Schwab (Lohr am Main, Bayern) sicherten sich erstmals die Deutsche Mathe-Meisterschaft. Acht Schüler konnten ihren Titel aus dem Vorjahr erfolgreich verteidigen: Max Aehle (Affalterbach, Baden-Württemberg), Linus Behn (Bonn, Nordrhein-Westfalen), Adrian Riekert (Pinneberg, Schleswig-Holstein) und Jan Steinebrunner (Todtnau, Baden-Württemberg) holten jeweils ihren zweiten Bundessieg. Leo Gitin (Leipzig, Sachsen), Tobias Kreutz (Essen, Nordrhein-Westfalen), Jörn Stöhler (Augsburg, Bayern) und Ferdinand Wagner (Leipzig, Sachsen) waren bereits zum dritten Mal erfolgreich.

Nach der Preisverleihung gab es noch eine Gesprächsrunde mit den vier dreimaligen Bundessiegern. Alle waren sich einig darüber, dass sie die Aufgaben von Teilnahme zu Teilnahme leichter lösen können, weil sie mittlerweile einen Blick für die Aufgaben entwickelt hätten. Auch Im Bereich der Zukunftsplanung befinden sich alle auf dem gleichen Weg. Denn sie studieren bereits Mathematik oder planen zumindest, dies zu tun. Dass alle vier wirklich kluge Köpfe sind, zeigte sich in der Diskussion. Es sei schade, fand Gitin, dass es gesellschaftlich akzeptiert sei, schlecht in Mathe zu sein, aber niemand sich damit rühmen würde, schlecht schreiben zu können. Wagner erklärte, dass es ihn störe, als Rechenkopf oder Rechenmeister bezeichnet zu werden, denn das träfe nicht den Kern der Sache. Rechnen sei etwas, was man in der Schule mache, nämlich die Lösung eines konkreten Problems. Beim Bundeswettbewerb Mathematik hingegen, und später an der Universität beschäftige man sich aber mit einem abstrakten Problem. Entscheidend dabei sei, dass man einen überzeugenden Beweis zur Lösung des Problems finde und nicht das richtige Ergebnis rate. Dem konnte auch Kreutz nur zustimmen. In der Schule fordere Mathematik keine eigene Leistung oder Kreativität, sondern nur die Wiedergabe eines erlernten Algorithmus, um banale Dinge, wie die Entwicklung einer Schweinepopulation zu berechnen. Deshalb, so Wagner, sei es in der Schule auch wichtiger, dass der Mathe-Lehrer den Stoff verständlich rüberbringen könne. Dazu müsse er aber nicht unbedingt der fachlich bestqualifizierteste Mathematiker sein. Dr. Christian Blohmann vom Max-Planck-Institut für Mathematik in Bonn überreichte anschließend den Sonderpreis für erstmalige Bundessieger, eine vierwöchige Hospitanz am Institut, und zeigte sich begeistert von den Bundessiegern. An den Aussagen könne man erkennen, dass die Bundessieger bereits echte Mathematiker seien. Deshalb sei der Sonderpreis auch die einzige Ausnahme von der Regel, dass bereits substantielle Forschungsleistung erbracht sein muss, um am Max-Planck-Institut hospitieren zu dürfen. Denn das Lösen von Mathematikproblemen setzt voraus, dass man sie mit Gleichgesinnten bespricht, und dies wolle das Institut den Siegern ermöglichen. Musikalisch untermalt wurde die Veranstaltung vom Jazz-Trio Thomas Heck und Band.

 

 

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