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Eindrücke von unserem Besuch mit den Schülerinnen und Schülern der Jahrgangsstufe 10 am Montag, den 9.2. im Schalom Europa, in der Synagoge in Würzburg


Der Vorsitzende des jüdischen Zentralrates in Deutschland gehört zur jüdischen Gemeinde Würzburg. Sein Vater David Schuster aus Bad Brückenau überlebte Dachau und emigrierte zwischenzeitlich. Dann wurde Josef geboren und die Familie konnte nach Bad Brückenau zurückkehren. Die Koffer vor dem Bahnhof in Würzburg sind der Gedenkort für die Deportation etlicher Würzburger Juden.
Der derzeitige Rabbiner heißt Abrazil. Das ist ein russischer Name, denn die meisten der 150000 gegenwärtigen jüdischen Gemeindemitglieder in ganz Deutschland sind Russen. Die junge Frau, die uns durchs Museum führte heißt Rachel und kommt aus der Sowjetunion, wo es nicht erlaubt war, Rituale und religiöse Bräuche des Judentums zu praktizieren. Heute sind die Hauptsynagogen in Russland zwar wieder geöffnet, aber es gibt nach Aussagen Rachels noch eine Mikroaggression gegen Juden auf der Straße. Sie musste dort wie alle anderen Juden säkular aufwachsen. Das hat Konsequenzen für die derzeitige Gottesdienstgestaltung: Rachel hält einen Amen -anzeiger hoch, den der Rabbiner während der Liturgie benutzt, da von den russischen Juden wenig verstanden wird und um ihnen zu signalisieren, wann „Amen“ gesprochen werden soll.
Die Würzburger Synagoge weist wegen der Frauen- und Männerabteilung verschiedene Eingänge auf, sie liegen aber alle auf einer Ebene. Es gibt also keine Frauenemporen wie in streng orthodoxen Synagogen. Die Würzburger Orthodoxie ist also weltoffen und macht bestimmte Kompromisse.
Die Eingangstür zur Synagoge bekommt ihre Struktur von Bildern zu den zwölf Stämmen Israels, die ins Holz der Tür eingefasst sind. 10 Männer oder Frauen (liberal) sind nötig, um einen Gottesdienst zu führen und einen der 54 Thoraabschnitte im Jahr zu lesen. Am Schabbat darf nichts getragen werden, auch keine Handtaschen, deswegen bleiben Gebetsbücher, Taschentücher u.a. in der Synagoge am Platz. Es sind außerdem drei Uhren in der Synagoge, damit der Rabbiner genau merkt, wann der Schabbat beginnt. An der Rückwand befindet sich eine Gedenktafel mit Lichtern für verstorbene Gemeindemitglieder.
Auch die erste Erwähnung von Würzburger Juden stand leider in Beziehung zu ihrer Verfolgung. Seit 1147 gab es Juden in Würzburg. Das weiß man wegen eines Pogroms im Zusammenhang mit den Kreuzzügen. Ein paar dutzend Juden wurden in der Stadt ermordet und durften im Garten des Würzburger Bischofs begraben werden.
Unter Julius Echter wurde das Juliusspital auf den jüdischen Grabsteinen dieses Friedhofs aufgebaut. 1500 Grabsteine wurden inzwischen wieder aus diesen Bauwerken extrahiert. Sie sind dadurch gut erhalten geblieben.
Der gerahmte Grabstein im Museum ist von einer Jüdin aus Mainz. Jüdische Gräber müssen wegen der jüdischen Vorstellung von Zukunftshoffnung immer an Ort und
Stelle bleiben, damit die Menschen wieder lebendig werden können, wenn der Messias kommt. Dann hielten wir uns noch länger beim Talmud-Tisch auf: Er steht für lebenslanges Lernen durch das Lernen der mündlichen Thora, der Interpretation der Thora, und umfasst mittlerweile 19 Bänden. Blätter aus mehreren Generationen sind auf dem Talmudtisch nebeneinander zu sehen. Das gibt neue Ideen, um die 613 Gebote im modernen Alltag leben zu können. Z.B. gibt es einen Schabbat-Aufzug, der einfach auf jedem Stockwerk hält, damit man keine Taste drücken muss. Dies würde als Arbeit am Schabbat gelten und wäre eine Übertretung des dritten Gebotes.
Unten im Museum begegneten uns dann noch die Stufen des Lebens mit Beschneidung, Bar Mizwah und Hochzeit: Erst bei der Beschneidung mit 8 Tagen bekommen die Kinder ihren Namen.
Am Ende der Hochzeitszeremonie wird ein Weinglas unter dem Baldachin zertreten in Erinnerung an die Zerstörung des Tempels. Deswegen sieht man auch die Klagemauer im Hintergrund. In Unterfranken wurde es auf einem Stein zerbrochen, der hier im Museum zu sehen ist.    

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