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Motivation und Resilienz: Sebastian Wächter zu Gast am FLvEG Lohr

Am 26. Oktober 2026 erlebten die Schülerinnen und Schüler der Jahrgangsstufen 8 bis 12 des Franz-Ludwig-von-Erthal-Gymnasiums einen besonderen Vortrag zu den Themen Motivation und Resilienz. Referent war Sebastian Wächter, der seit einem schweren Unfall im Alter von 18 Jahren im Rollstuhl lebt. 

Ein Unfall, der alles veränderte

Sebastian Wächter erzählte von einem kalten Dezembertag, an dem er über einen Bach springen wollte, wie es kurz vor ihm schon sein Bruder geschafft hatte. Dabei blieb er an einer Baumwurzel hängen und stürzte kopfüber ins Wasser. In diesem Moment des Unfalls empfand er zunächst ein unerklärliches Gefühl der Geborgenheit. Doch der Sturz hatte schwerwiegende Folgen: Er zog sich einen Genickbruch am fünften Halswirbel zu und lebt seitdem mit einer Querschnittslähmung.

Seine erste Reaktion auf die Diagnose waren Schock, „Nicht-wahrhaben-wollen“ und die Hoffnung, dass die Lähmung vorübergehen und der Bruch heilen könnte. Doch er ist bis heute gelähmt.

Ein selbstbestimmtes, erfolgreiches Leben

Mit viel Physio- und Ergotherapie kämpfte sich Sebastian Wächter dennoch zurück in ein eigenständiges Leben: Weg von der Abhängigkeit von Pflege und Sozialhilfe hin zu einer erfolgreichen Karriere. Im Rollstuhlrugby schaffte er es zum Bundesligaspieler und während seines Studiums absolvierte er auch einen Auslandsaufenthalt in den USA.

Heute ist er verheiratet, Vater und zählt zu den Top-100-Speakern der DACH-Region. Er hält Vorträge zu Motivation und Change in DAX-Konzernen wie Siemens oder der Allianz und ist zudem Buchautor.

Ziele setzen und Motivation finden

Aus seinen Erfahrungen hat er viel über Motivation, Durchhaltevermögen und den Umgang mit belastenden Situationen gelernt. Diese Erkenntnisse gibt er heute vor allem in Vorträgen für Unternehmen weiter, aber er passte seine Botschaft auch hervorragend an die Lebenswelt der Schülerinnen und Schüler an.

Er leitete die Schüler und Schülerinnen an, zwischen zeitlich befristetem Stress, der zur Fokussierung hilft, und Dauerstress bei Überforderung zu unterscheiden. Stress abbauen könne man z.B. indem man gut schläft, Sport macht und Atemtechniken oder Ähnliches einsetzt, um in einer angespannten Situation Ruhe zu bewahren. „Wenn man das Gefühl hat, es im Griff zu haben, sinkt der Stress“, so Wächter.

Bei der Zielsetzung unterschied Wächter zwischen Zielen, mit denen man „von etwas weg“ kommen möchte, und solchen, mit denen man „zu etwas hin“ gelangen will. Entscheidend sei jedoch nicht allein das Setzen von Zielen, sondern auch die Klärung der eigenen Motivation: „Warum möchte ich ein Ziel erreichen?“ Nur wer diese Frage beantworten könne, bleibe auch bei Rückschlägen dran.

Außerdem empfahl er, Zwischenschritte festzulegen und erreichte Erfolge mit anderen zu teilen. So lasse sich der eigene Fortschritt besser reflektieren. Denn Menschen neigten dazu, zu 75 Prozent das Negative im Leben zu sehen.

Motivation ist nicht gleich Spaß

Wächter machte deutlich, dass Motivation nicht mit Spaß gleichzusetzen ist. Auch er habe oft die Zähne zusammengebissen, um seine Ziele zu erreichen. Dauerhaften Spaß gebe es nicht – wer jedoch wisse, wofür er sich anstrengt, setze sich dennoch durch.

Wichtig sei dabei die richtige Mischung: Oft entstehe der Spaß erst durch das „Trotzdem“, wenn erste Erfolge sichtbar werden. Das könne auch extrinsisch motivieren, sich etwa für Leistungsnachweise vorzubereiten – insbesondere, wenn im Abitur ein bestimmter Schnitt angestrebt wird. Mehr Freude erreiche man aber durch eine intrinsische Motivation, wenn man für die Inhalte an sich Interesse aufbringt.

Mit der Zeit werde es leichter, sich selbst zu motivieren. Hilfreich seien aber auch Impulse aus dem sozialen Umfeld und wichtig sei es zudem, Hilfe annehmen zu können.

Außerdem helfe es, zwischen Interesse und Einflussbereich zu unterscheiden, wenn man zielorientiert leben möchte. Denn häufig machen wir uns zu viele Gedanken über das, was wir nicht beeinflussen können. Dabei mache es mehr Sinn, sich auf das zu konzentrieren, was man auch tatsächlich beeinflussen kann. Wächter selbst habe lange die Hoffnung auf Heilung ausgeblendet, bis er durch Training viele seiner Ziele erreicht hatte. Seit einem Jahr denke er jedoch wieder häufiger daran.

Immer wieder lud Sebastian Wächter die Schülerinnen und Schüler dazu ein, Fragen zu stellen. So entstand kein klassischer Vortrag mit einer Fragerunde am Ende, sondern ein lebendiger Austausch, bei dem Fragen direkt im Gespräch beantwortet wurden.

Organisiert und geplant wurde die Veranstaltung vom Arbeitskreis KESCH (Kooperation Eltern Schule), der mit Sebastian Wächter einen beeindruckenden Referenten gewinnen konnte.

Seine Ausführungen taten nicht nur den Schülerinnen und Schülern, sondern auch den anwesenden Kolleginnen und Kollegen gut.

Ein herzlicher Dank geht an die Sponsoren des Vortrags, die Raiffeisenbank Main-Spessart, die Sparkasse Mainfranken und den Lions-Club Lohr-Marktheidenfeld, die diese besondere Veranstaltung überhaupt erst ermöglicht haben.

 

Christina Roth und Stefan Lausberger

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