Nägelseestraße 8, 97816 Lohr am Main 09352 500 4220 Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein. Mo-Do: 8-15 Uhr, Fr: 8-13 Uhr


Der Vorsitzende des jüdischen Zentralrates in Deutschland gehört zur jüdischen Gemeinde Würzburg. Sein Vater David Schuster aus Bad Brückenau überlebte Dachau und emigrierte zwischenzeitlich. Dann wurde Josef geboren und die Familie konnte nach Bad Brückenau zurückkehren. Die Koffer vor dem Bahnhof in Würzburg sind der Gedenkort für die Deportation etlicher Würzburger Juden.
Der derzeitige Rabbiner heißt Abrazil. Das ist ein russischer Name, denn die meisten der 150000 gegenwärtigen jüdischen Gemeindemitglieder in ganz Deutschland sind Russen. Die junge Frau, die uns durchs Museum führte heißt Rachel und kommt aus der Sowjetunion, wo es nicht erlaubt war, Rituale und religiöse Bräuche des Judentums zu praktizieren. Heute sind die Hauptsynagogen in Russland zwar wieder geöffnet, aber es gibt nach Aussagen Rachels noch eine Mikroaggression gegen Juden auf der Straße. Sie musste dort wie alle anderen Juden säkular aufwachsen. Das hat Konsequenzen für die derzeitige Gottesdienstgestaltung: Rachel hält einen Amen -anzeiger hoch, den der Rabbiner während der Liturgie benutzt, da von den russischen Juden wenig verstanden wird und um ihnen zu signalisieren, wann „Amen“ gesprochen werden soll.
Die Würzburger Synagoge weist wegen der Frauen- und Männerabteilung verschiedene Eingänge auf, sie liegen aber alle auf einer Ebene. Es gibt also keine Frauenemporen wie in streng orthodoxen Synagogen. Die Würzburger Orthodoxie ist also weltoffen und macht bestimmte Kompromisse.
Die Eingangstür zur Synagoge bekommt ihre Struktur von Bildern zu den zwölf Stämmen Israels, die ins Holz der Tür eingefasst sind. 10 Männer oder Frauen (liberal) sind nötig, um einen Gottesdienst zu führen und einen der 54 Thoraabschnitte im Jahr zu lesen. Am Schabbat darf nichts getragen werden, auch keine Handtaschen, deswegen bleiben Gebetsbücher, Taschentücher u.a. in der Synagoge am Platz. Es sind außerdem drei Uhren in der Synagoge, damit der Rabbiner genau merkt, wann der Schabbat beginnt. An der Rückwand befindet sich eine Gedenktafel mit Lichtern für verstorbene Gemeindemitglieder.
Auch die erste Erwähnung von Würzburger Juden stand leider in Beziehung zu ihrer Verfolgung. Seit 1147 gab es Juden in Würzburg. Das weiß man wegen eines Pogroms im Zusammenhang mit den Kreuzzügen. Ein paar dutzend Juden wurden in der Stadt ermordet und durften im Garten des Würzburger Bischofs begraben werden.
Unter Julius Echter wurde das Juliusspital auf den jüdischen Grabsteinen dieses Friedhofs aufgebaut. 1500 Grabsteine wurden inzwischen wieder aus diesen Bauwerken extrahiert. Sie sind dadurch gut erhalten geblieben.
Der gerahmte Grabstein im Museum ist von einer Jüdin aus Mainz. Jüdische Gräber müssen wegen der jüdischen Vorstellung von Zukunftshoffnung immer an Ort und
Stelle bleiben, damit die Menschen wieder lebendig werden können, wenn der Messias kommt. Dann hielten wir uns noch länger beim Talmud-Tisch auf: Er steht für lebenslanges Lernen durch das Lernen der mündlichen Thora, der Interpretation der Thora, und umfasst mittlerweile 19 Bänden. Blätter aus mehreren Generationen sind auf dem Talmudtisch nebeneinander zu sehen. Das gibt neue Ideen, um die 613 Gebote im modernen Alltag leben zu können. Z.B. gibt es einen Schabbat-Aufzug, der einfach auf jedem Stockwerk hält, damit man keine Taste drücken muss. Dies würde als Arbeit am Schabbat gelten und wäre eine Übertretung des dritten Gebotes.
Unten im Museum begegneten uns dann noch die Stufen des Lebens mit Beschneidung, Bar Mizwah und Hochzeit: Erst bei der Beschneidung mit 8 Tagen bekommen die Kinder ihren Namen.
Am Ende der Hochzeitszeremonie wird ein Weinglas unter dem Baldachin zertreten in Erinnerung an die Zerstörung des Tempels. Deswegen sieht man auch die Klagemauer im Hintergrund. In Unterfranken wurde es auf einem Stein zerbrochen, der hier im Museum zu sehen ist.    

Direkt am Jahresbeginn stand für die Handball Schulmannschaft Jungen III der Bezirksentscheid in Würzburg an. Nach zwei Wochen Weihnachtferien waren die 10 Jungs topmotiviert die Reise nach Würzburg anzutreten, um sich mit dem Team des Deutschhaus-Gymnasiums zu messen.

Wie immer bei Schulwettkämpfen stand dabei vor allem der Teamgeist, die Fairness und der Spaß am Sport im Vordergrund. In der Kürnachtalhalle in Lengfeld, traf die Mannschaft dann auf einen sehr starken Gegner. Gespickt mit Handballern der DJK Rimpar, war das Niveau des Gegners hoch, es gab spektakuläre Torabschlüsse, intensive Abwehrarbeit und ein sehr hohes Tempo zu bestaunen. Insgesamt schlug sich das Team aus Lohr mehr als tapfer und kann stolz sein, trotz einer Niederlage, alles gegeben zu haben. Hoch erhobenen Hauptes konnten die Jungs nach der Siegerehrung die Heimreise antreten. 

Auch im kommenden Schuljahr werden wir wieder angreifen, dann werden die Karten neu gemischt und wer weiß, wie das Bezirksfinale dann ausgehen wird 😊

Ein Hauch von Paris, der Duft frisch gebackener Croissants und die Farben der Tricolore prägten vom 19. bis 23. Januar 2026 das Gymnasium Lohr a. Main: Unsere Schule verwandelte sich in einen lebendigen Ort der Begegnung mit Sprache, Kultur und Kulinarik – und begeisterte dabei die gesamte Schulgemeinschaft.

Im Mittelpunkt der Woche stand eine kreative Francophonie-Ausstellung, die zu einer spannenden Entdeckungsreise durch die französischsprachige Welt einlud. Fünf Französischklassen gestalteten eindrucksvolle Bildwände zu Belgien, Québec (Kanada), Paris, Südfrankreich und dem Elsass. Die Präsentationen machten anschaulich deutlich, wie vielfältig die französische Sprache und Kultur sind, und zeigten, dass Französisch weit über die Grenzen Frankreichs hinaus gesprochen wird. Die Ausstellung lud zum Informieren, Staunen und Entdecken ein und wurde von zahlreichen Schülerinnen und Schülern sowie Lehrkräften mit großem Interesse besucht. Besonderen Anklang fand auch ein Quiz für die gesamte Schulgemeinschaft, bei dem täglich eine Frage rund um die Ausstellung beantwortet werden konnte. So wurde das Entdecken der französischsprachigen Welt spielerisch vertieft und das Interesse an Sprache und Kultur zusätzlich geweckt.

Auch die Mensa präsentierte sich in französischen Farben, und jedem Gast wurde schnell klar, dass Sprachenlernen auch durch den Magen geht: Der Schulkiosk bot in Zusammenarbeit mit der Kleinen Konditorei in Lohr a. Main täglich wechselnde französische Spezialitäten wie Macarons, Croissants, Éclairs, Flammkuchen und vieles mehr an. Die Klassen 10a und 10c sorgten mit frisch zubereiteten Crêpes für große Begeisterung und langen Andrang. Wer einen ruhigeren Platz für die Pause suchte, fand diesen im Medienatelier, wo eine Woche lang französischsprachige Lektüren im Mittelpunkt standen: In gemütlicher Atmosphäre konnten die Schülerinnen und Schüler nicht nur eine große Auswahl an Büchern entdecken, sondern durch Comics, Bildwände und weitere Materialien die französischsprachige Welt näher kennenlernen.

Insgesamt zeigte die französische Woche eindrucksvoll, wie lebendig und vielseitig Fremdsprachenlernen über den Unterricht hinaus sein kann – als Erlebnis für alle Sinne und als Einladung, über den eigenen Horizont hinauszublicken. Ein herzliches Dankeschön gilt dem Schulkiosk, der Kleinen Konditorei, dem Medienatelier sowie den Klassen 10a und 10c und allen Französischlehrkräften, die der Schulgemeinschaft ein vielfältiges Bild der Francophonie nähergebracht haben.

Am Gymnasium Lohr kann Französisch ab der 6. Jahrgangsstufe als zweite Fremdsprache oder ab der 8. Jahrgangsstufe als dritte Fremdsprache (sprachlicher Zweig) erlernt werden. Traditionell findet die französische Woche am Gymnasium Lohr rund um den 22. Januar statt, den Tag der deutsch-französischen Freundschaft, an dem Deutschland und Frankreich im Jahr 1963 mit dem Élysée-Vertrag ihre Zusammenarbeit besiegelten.

Altphilologen sollten mit Naturwissenschaftlern im Gespräch sein

Unser diesjähriger „Römer-Tag“ am Dienstag, den 3.2.2026 im Gymnasium Lohr war eine Kombination aus einem Schnuppertag für die Schülerinnen und Schüler der Jahrgangstufe 5, die demnächst ihre zweite Fremdsprache wählen müssen, und einem archäologischen Vortrag für die Latein-Schülerinnen und Schüler der Jahrgangstufe 8.
Für die Fünftklässler gab es parallel vier tolle Angebote: Römisch Kochen in der Schulküche, wo in vergnügtem Teamwork Globi (Quarkbällchen) mit Gustum de Praecoquis (Aprikosenmus mit Stückchen) und Moretum (Schafskäseaufstrich) entstanden und auch mit Appetit verzehrt wurden. Eine Mosaikwerkstatt im Zeichensaal, wo sie in geduldiger Kleinarbeit schöne Motive zusammensetzten.
Entdeckungen mit lateinischen Lehnwörtern und römischen Zahlen. Beides fand in Abwechslung mit beliebten römischen Kinderspielen statt: Zahlreiche Nüsse rollten da beim Delta-Spiel (Zahlendreieck auf dem Fußboden) und dem Ludus tabulae obliquae (Spiel für eine diagonale Tafel) durchs Klassenzimmer.
Inzwischen entführte der Archäologe Mario Becker von der Goethe-Universität Frankfurt unsere Achtklässler in die Antike: In lebendigem und kommunikativem Vortragsstil stellte er die Gründe für Aufstieg und Niedergang des römischen Reiches dar und begeisterte unsere Achtklässler für die Leistungen der Römer. Für den überraschenden Niedergang des weströmischen Reiches seien jahrzehntelange Schlechtwetterperioden infolge von schwersten Vulkanausbrüchen mit verantwortlich gewesen; das habe man nur durch die Analyse von geologischen Proben erkennen können: Zwischen 160 und 170 n.Chr. seien der Taupo und um 232 der Vulkan Hatepe auf Neuseeland ausgebrochen und hätten die Erd-Atmospäre für Jahrzehnte verändert. In deren Folge hätten zahlreiche Germanenstämme – bedrängt von Goten und Hunnen- ihre angestammten Siedlungsgebiete verlassen, weil ihnen die Lebensgrundlage genommen worden seien. Wir würden das heute als Migration aus wirtschaftlichen Gründen bezeichnen. Damals waren allerding alle Männer bewaffnet und deswegen eine Bedrohung für jedes Reich. Diese hätten dann gleichzeitig von vielen Seiten die Ostgrenze bedroht, während der Zusammenschluss der Alemannen dann etwas später von Norden her noch gefährlicher für das römische Reich geworden sei.
Zum Abschluss ihres Schnuppertages führte Mario Becker nun unsere Fünftklässler ins römische Leben ein. Er begann dies mit der berühmten römischen Wölfin: lupa war damals eine Beleidigung für eine Frau, hist. Kern der Gründungslegende war wahrscheinlich die Aussetzung und ein späterer Aufstieg zweier Kinder.
Dann macht er mit ein paar Kindern vor der Bühne eine Armeeaufstellung mit Drill in testudo (Schildkröten)- Formation: „links-rechts-links, Schilde über den Kopf und eng an den Körper“, um die Notwendigkeit zur Zusammenarbeit in der röm. Armee zu illustrieren.
Natürlich durfte zum Abschluss Pompeji nicht fehlen, wo man dem antiken Alltag immer noch hautnah begegnen kann, da er damals beim Vulkanausbruch in zahlreichen Situationen konserviert wurde.
Christina Roth

Spiel der Lohrer Puppenbühne mit Friedel Liedhegener und Kindern der 5. Klassen des Gymnasiums

Wenn die adventliche Zeit beginnt, darf ein Film im Programm des öffentlich-rechtlichen Fernsehens nicht fehlen: „Drei Haselnüsse für Aschenbrödel“. Und auch andere Märchenfilme stehen vor Weihnachten hoch im Kurs. Ebenso ist das Spiel des Lohrers Friedel Liedhegener ein fester Bestandteil des außerunterrichtlichen Angebots für die Unterstufe des Lohrer Gymnasiums. Liedhegener nimmt in seinem Puppenspiel die Kinder der fünften Klasse mit auf eine Reise in den Orient und nach Asien. Die in Indien gefertigten, liebevoll gestalteten Figuren und Tiere lassen die märchenhaften Geschichten lebendig werden.

Im ersten Abenteuer entführte der Lohrer die Kinder ins „Schloss auf dem Glasberg“: Der Prinz wird von einem Vogel entführt und sieht in dessen Garten eine wunderschöne Prinzesin, die er unbedingt heiraten will. Mit Klugheit und List bringt er ein Tuch, das ihn unsichtbar machen, und einen Stab, der in zu jedem erdenklichen Platz auf der Welt bringen kann, an sich. Er folgt Spur der Prinzessin bis ans Ende der Welt und findet sie schließlich in einem Schloss auf dem Glasberg. Prüfung bestanden! Die Hochzeit kann gefeiert werden. Im zweiten Märchen musste die Nachfolge des Königs entschieden werden, die schließlich Prinz Achmed aufgrund des Einwirkens einer Fee antritt. Diese sorgte dafür, dass der etwas angeberische junge Mann die gestellten Aufgaben erfüllen konnte. Für die egoistische große Schwester des Prinzen wünschten sich die Kinder, dass sie als Säule erstarrt bleiben soll. Deshalb kann man sie heute noch in einem Garten in Indien bestaunen.

So mischten sich Märchen, Liebes- und Abenteuergeschichte, die die Schülerinnen und Schüler auch deshalb fesselten, weil sie in die Rollen der einzelnen Figuren schlüpfen und die Puppen agieren lassen durften. Das faszinierte die Zehnjährigen: Sie blieben nicht nur Zuschauer, sie waren nicht nur dabei, sondern sie wurden in die Abenteuer der Figuren involviert. Sie wurden zu König und Königin, zu Prinz und Prinzessin, der guten oder bösen Fee oder zum Vogel, der die Prinzessin auf den Glasberg trägt. Während die Kinder sich wie selbstverständlich in ihre jeweilige Rolle hineindachten, erfreuten sich die Lehrkräfte an der sichtbaren Spielfreude ihrer Schülerinnen und Schüler.

Friedel Liedhegener berichtet am Ende von seinen Erfahrungen im „wirklichen“ Indien und von seinen kuriosen Begegnungen sowie spannenden Erlebnissen dort vor Ort. Diese wahren Begebenheiten interessierten die Kinder ebenso wie die erfundenen Märchen. Zum Deutschunterricht gehört eben beides: Wissen über die Welt und Verzaubertsein von der Welt.

 

Text und Bild: Andrea Pöschl

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